Fall bei Aktenzeichen XY: 13-jährige Tochter auf Gehweg erschossen – Fahndung nach Vater

2011 erschießt ein Vater seine Tochter auf offener Straße. Seitdem ist Ali Askar Hasso Barakat auf der Flucht. Ein erneuter TV-Aufruf soll helfen, ihn endlich aufzuspüren.

Souzan Barakat wünscht sich mehr Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben. Dafür zieht die damals 13-jährige Schülerin aus Nienburg/Weser mit Einwilligung der Eltern freiwillig in ein Heim. Sie wohnt bereits seit rund einem halben Jahr in einer Einrichtung, als es am 5. Dezember 2011 in der Gemeinde Stolzenau zu einer Aussprache zwischen ihr und ihren Eltern kommt.

Diese stammen aus dem Irak und sind jesidischen Glaubens. Jesiden sind Kurden vor allem aus dem Irak, der Türkei und Syrien. Ihre Religion, in der viele Glaubensrichtungen verschmolzen sind, stammt nach eigenem Verständnis aus vorislamischer, wenn nicht gar aus vorchristlicher Zeit. 

Drei Jahre zuvor war das Paar mit ihren drei Söhnen und Souzan nach Niedersachsen gezogen. In Nienburg und Umgebung gehören damals rund 1000 Menschen der kurdisch-jesidischen Gemeinde an. Doch hier kann Souzan die Strenge des Vaters nicht mehr ertragen. Der damals 35-jährige Ali Askar Hasso Barakat hat ein traditionelles Frauenbild und sehr konservative Vorstellungen von der Rolle einer Tochter. Immer wieder kommt es zum Streit, bei dem ihm auch die Hand ausrutscht. 

Polizei hofft auf Hinweise von „Aktenzeichen XY“-Zuschauern

Das Jugendamt rät der Familie zu einer Aussprache. Hier will Souzan ihren Eltern klarmachen, dass sie nicht mehr zu ihnen zurückkehren will. Nach dem Gespräch verlassen die Eltern als Erstes die pädagogisch-psychologische Praxis für Mediation. Anschließend kommt die Tochter aus dem Haus. Zusammen mit dem Betreuer geht sie zu einem Mini-Van. Dann tritt Souzans Vater an seine Tochter heran, zieht eine Waffe und schießt der 13-Jährigen aus nächster Nähe in den Kopf. Anschließend flüchtet er in einem grauen Golf. Der Wagen wird am nächsten Tag im 32 Kilometer entfernten Minden verlassen aufgefunden. Laut Polizei soll der heute 48-Jährige in den Irak geflohen sein. Dort verliert sich die Spur.

Neun Tage nach der Tat wird der Fall erstmals Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“. Die Mordkommission „Moko Allee“ geht daraufhin insgesamt 165 Hinweisen nach – jedoch ohne Erfolg. Ein erneuter Aufruf erfolgt im Jahr 2013. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass es zu einer Familienzusammenführung gekommen ist, da die Ehefrau mit ihren drei Söhnen ein halbes Jahr nach der Tat untergetaucht war. Die Ermittler vermuten, dass sie, mithilfe von Familienmitgliedern oder Bekannten aus dem jesidischen Umfeld der Familie, ihrem Mann in den Irak gefolgt sein könnten. „Aufgrund der politischen Lage im Irak kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Gesuchte, gegebenenfalls unter falschen Personalien, nach Deutschland oder in das europäische Ausland geflüchtet sein könnte“, so Staatsanwalt Martin Schanz. 

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Verden eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt, für Hinweise, die zur Ergreifung des Gesuchten führen. Am Mittwoch, 26. März 2025, wird der Fall um 20.15 Uhr erneut Thema bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“.

Quellen: Polizei Nienburg/Schaumburg, Welt, DPA-Archiv