Arbeitsmarkt: Nur schwache Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Die Wirtschaftsflaute macht sich zunehmend auf dem deutschen Arbeitsmarkt bemerkbar. Der Start in den Frühling mit üblicherweise deutlich mehr Jobs ist ernüchternd. Das kostet auch Geld.
Die schwache Konjunktur und ihre anhaltende Wirkung auf den Arbeitsmarkt werden zunehmend auch finanziell zum Problem für die Bundesagentur für Arbeit. Die Ausgaben etwa für Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld oder Insolvenzgeld liegen höher, als dies bei der Erstellung des Haushaltes angenommen worden war.
„Wir rechnen damit, dass wir unsere Rücklagen in diesem Jahr brauchen werden“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles, in Nürnberg. Zu Jahresbeginn hatte die Bundesagentur ein Finanzpolster von 3,2 Milliarden Euro, das für Notfälle vorgesehen ist.
Fast drei Millionen Arbeitslose
Die Situation trübt sich auch deswegen ein, weil die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt zunächst ausgesprochen schwach ausgefallen ist. Die Zahl der Arbeitslosen sank im März um 22.000 auf 2,967 Millionen Menschen. Das ist der schwächste Rückgang der Arbeitslosigkeit in einem März seit 2009. Damals war die Zahl in der Finanzkrise sogar gestiegen.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Zahl der Arbeitslosen um 198.000 höher. Die Arbeitslosenquote betrug im März den Angaben der Bundesagentur zufolge unverändert wie im Februar 6,4 Prozent.
Weniger offene Stellen
Auch die Zahl der zu besetzenden Stellen ging zurück. Im März waren bei den Arbeitsagenturen 643.000 offene Arbeitsplätze gemeldet. Das sind 64.000 weniger als vor einem Jahr.
Bei der Kurzarbeit geht es weiter leicht nach oben. Im Januar zahlte die Bundesagentur für 240.000 Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Das waren 36.000 mehr als im Dezember 2024 und 51.000 mehr als im Januar des vergangenen Jahres. Aktuellere Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen derzeit nicht zur Verfügung. Allerdings wurde vom 1. bis 24. März für 43.000 weitere Personen Kurzarbeit beantragt.
Auf dem Ausbildungsmarkt ist noch viel Bewegung. Seit Oktober haben sich für das bevorstehende Ausbildungsjahr 327.000 Bewerber gemeldet – ihnen stehen 416.000 bisher gemeldete Lehrstellen gegenüber. Das sind 10.000 Bewerber mehr und 22.000 Stellen weniger als vor einem Jahr.
Kommende Monate bleiben schwierig
„Die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert sich weiter“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Achim Dercks. „Die Arbeitslosigkeit ist saisonbereinigt gestiegen, und der Wiedereinstieg in Beschäftigung wird für viele Menschen immer schwieriger.“ Die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage lasse einen weiteren Rückgang in den kommenden Monaten erwarten.
Hoffnung auf Besserung der Konjunktur
Die Bundesagentur setze darauf, dass Ende des Jahres oder spätestens Anfang 2026 ein konjunktureller Umschwung einsetze – auch beflügelt von den von der Bundesregierung beschlossenen Investitionspaketen, sagte Nahles. Wenn dies passiere, könne auch auf dem Arbeitsmarkt eine Kehrtwende eingeläutet werden.
Gegenwärtig versuchten die Arbeitsagenturen, verstärkt die Vermittlung von Arbeitslosen in offene Stellen voranzutreiben. Es gebe immer noch Fachkräftemängel in einigen Sektoren.
In diesem Zusammenhang bezeichnete Nahles auch den Job-Turbo zur Integration von Geflüchteten als Erfolg. Es sei gelungen, zahlreiche Menschen aus der Ukraine und den Haupt-Asylstaaten in den Arbeitsmarkt zu bringen – obwohl dieser nicht ohne weiteres aufnahmebereit war.
Dies betonte auch der Arbeitsmarktexperte von KfW Research, Martin Müller. „Perspektivisch wird der Arbeits- und Fachkräftemangel wieder stärker als zuvor als Wachstumshemmnis in den Vordergrund treten“, sagte er.