DFB-Pokal: „Richtig geil“: VfB Stuttgart zieht gegen RB Leipzig ins Finale ein

Der neue Trainer Zsolt Löw sollte RB Leipzig zu einem versöhnlichen Saisonende führen. Doch die Titelchance im DFB-Pokal ist dahin. Der VfB Stuttgart fährt zum Finale nach Berlin.
Als die Fans des VfB Stuttgart den Evergreen „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ anstimmten, vergoss der gebürtige Berliner Maximilian Mittelstädt Freudentränen. Auch seine Teamkollegen feierten auf emotionale Weise den Einzug ins Pokalfinale durch ein 3:1 (1:0) gegen Bundesliga-Rivale RB Leipzig. Während der VfB nun die Riesenchance auf den ersten DFB-Pokal-Triumph seit 28 Jahren hat, ging der Neuanfang der Leipziger unter Interimstrainer Zsolt Löw schief.
„Riesenereignis, Riesenerlebnis – Glückwunsch an die Mannschaft. Es war eine unglaubliche Leistung, heute war es ein hartes Stück Arbeit“, sagte Stuttgarts Sportdirektor Christian Gentner bei Sky: „Heute ist Feiern erlaubt, gar keine Frage.“ Der überragende Nationaltorwart Alexander Nübel meinte mit Blick aufs Finale: „Das ist richtig geil, wir freuen uns richtig drauf.“
Finale gegen Arminia Bielefeld
Am 24. Mai werden die Stuttgarter von Trainer Sebastian Hoeneß als klarer Favorit ins Endspiel gegen das Sensationsteam Arminia Bielefeld gehen. Der Drittligist hatte am Dienstag völlig unerwartet Titelverteidiger Bayer Leverkusen mit 2:1 besiegt.
Angelo Stiller mit einem sehenswerten Volleyschuss (5. Minute), Nick Woltemade (57.) und Jamie Leweling (73.) führten die Gastgeber vor 60.000 Zuschauern mit ihren Toren zum Sehnsuchtsort Berlin. Damit ärgerten sie auch den mitfiebernden Red-Bull-Fußballchef Jürgen Klopp auf der Tribüne. Stürmer Benjamin Sesko konnte für die Leipziger nur verkürzen (62.). Am Ende trafen der Stuttgarter Woltemade und der Leipziger Sesko noch die Latte.
1997 feierten die Schwaben zuletzt den Titel, es war der dritte nach 1958 und 1954. Mit einem Endspielerfolg würde sich auch die Hoffnung auf die erneute Europapokal-Teilnahme erfüllen. In der Bundesliga ist der VfB momentan bis auf Rang elf durchgereicht worden.
RB Leipzig: Die Enttäuschung ist „sehr groß“
RB, Pokalsieger von 2022 und 2023, fehlte es an Effizienz. Die Enttäuschung sei „sehr groß“, sagte Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer, „weil wir eine riesengroße Chance vertan haben“. Erstmals verloren die Sachsen bei der fünften Vorschlussrunden-Teilnahme ein Halbfinale. Löws Hauptaugenmerk liegt nun darauf, den Tabellensechsten im Saison-Endspurt noch in die Champions League zu führen.
Ihn habe „gesunde Aufregung, gesunde Anspannung“ heimgesucht, hatte der langjährige Co-Trainer Zsolt Löw vor dem Anpfiff bei Sky verraten. Schnell dürfte etwas Unmut hinzugekommen sein, denn die Herausforderung des Pokal-Halbfinals wurde schon nach wenigen Minuten noch größer.
Der VfB erwischte einen Traumstart, als gleich die erste Ecke der Gastgeber zu einem Treffer der Marke „Tor des Monats“ führte. Per famosem Volleyschuss aus rund 18 Metern traf Mittelfeldlenker Stiller halbrechts ins Tor. Leipzigs Pokal-Torwart Maarten Vandevoordt wurde überrascht und reagierte nicht.
VfB-Nationaltorhüter Nübel mehrfach gefordert
Der kollektive Jubel bei den Schwaben stand im Kontrast zu den ernsten Mienen von RB-Fußball-Chef Jürgen Klopp, dem Technischen Direktor von RB, Ex-VfB-Stürmer Mario Gomez und RB-Aufsichtsratschef Oliver Mintzlaff auf der Tribüne. An der Seite von Klopp wird Zsolt Löw nach dem Saisonende in seine Rolle als Chefstratege im RB-Kosmos zurückkehren.
Die Leipziger erholten sich mit zunehmendem Spielverlauf immer stärker vom frühen Gegentor-Schock. Lois Openda zwang VfB-Nationaltorhüter Nübel gleich in drei Szenen zu Paraden. Und auch Xavi Simons kam zu einem aussichtsreichen Abschluss. Klopp wurde von der Partie mitgerissen, immer wieder erhob er sich von seinem Platz.
Mit Intensität setzte sich die Partie auch nach dem Seitenwechsel fort. Nach einem Doppelpass mit Ermedin Demirovic unterstrich U21-Nationalstürmer Woltemade seine seit Wochen anhaltende Topform. Doch nur fünf Minuten später machte es Sesko wieder spannend. Löw trieb am Spielfeldrand seine Mannschaft an. Leweling stocherte den Ball dann aber zur Entscheidung über die Linie.