Junta in Myanmar verkündet nach Erdbeben temporäre Waffenruhe

Nach dem verheerenden Erdbeben in Myanmar hat die in dem südostasiatischen Land herrschende Militärjunta eine temporäre Waffenruhe verkündet. Sie werde vom Mittwoch bis zum 22. April dauern, erklärte die Junta. Bei dem Erdbeben am Freitag waren nach offiziellen Angaben mehr als 2880 Menschen ums Leben gekommen. Die tatsächliche Opferzahl dürfte aber deutlich höher liegen.

Ziel der Waffenruhe sei es, „die Hilfe und den Wiederaufbau zu beschleunigen und Frieden und Stabilität zu erhalten“, erklärte die Junta. Ein Bündnis aus drei mächtigen Rebellengruppen hatte bereits am Vortag einseitig eine einmonatige Waffenruhe angekündigt, um die Katastrophenhilfe zu erleichtern. Die Militärjunta war daraufhin zunächst unnachgiebig geblieben, seit dem Erdbeben gab es etliche Berichte über Luftangriffe der Regierungstruppen. 

In Myanmar kämpft das Militär, das 2021 durch einen Putsch an die Macht gekommen war, gegen bewaffnete ethnische und pro-demokratische Gruppen. Bereits vor dem Erdbeben waren viele Menschen in Myanmar von Hunger bedroht, mindestens 3,5 Millionen Menschen wurden nach UN-Angaben durch den Bürgerkrieg zu Vertriebenen.

International sorgte das Vorgehen der Militärregierung in den vergangenen Tagen für Kritik. Amnesty International erklärte, das „unmenschliche“ Vorgehen der Militärregierung erschwere die Erdbebenhilfe massiv. „Man kann nicht mit der einen Hand um Hilfe bitten und mit der anderen Bomben abwerfen“, erklärte Joe Freeman, der Myanmar-Experte der Menschenrechtsorganisation.

Junta-Chef Min Aung Hlaing hatte zuvor in einem ungewöhnlichen Schritt um internationale Hilfe gebeten. Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung solle „jedes Land, jede Organisation“ helfen. In der Vergangenheit hatten Militärregierungen in Myanmar internationale Hilfe selbst bei großen Naturkatastrophen abgelehnt.

Am Freitag hatte sich ein Erdbeben der Stärke 7,7 rund 16 Kilometer nordwestlich der myanmarischen Stadt Sagaing ereignet. Nach offiziellen Angaben kamen dabei 2886 Menschen ums Leben. Demnach werden noch 373 Menschen vermisst, mittlerweile wurden zudem mehr als 4600 Verletzte gezählt.

Indes versuchen Rettungskräfte nach wie vor, Überlebende zu finden und zu bergen. Die Hoffnungen schwinden mit jedem Tag. Am Mittwoch gelang es einem Team aus türkischen und einheimischen Rettungskräften jedoch, fünf Tage nach dem Erdbeben einen 26-jährigen Mann lebend aus den Trümmern eines Hotels in der Hauptstadt Naypyidaw zu befreien. Auf einem Facebook-Video der Feuerwehr ist zu sehen, wie der staubbedeckte Mann durch ein Loch aus dem Trümmerhaufen gezogen und auf eine Trage gelegt wird. Er wirkt benommen, ist aber bei Bewusstsein.

Auch im Nachbarland Thailand hatte das Beben Verwüstungen angerichtet. In der Hauptstadt Bangkok stürzte ein 30-stöckiges, in Bau befindliches Hochhaus ein. Dort wurden inzwischen 22 Tote geborgen, mehr als 70 Menschen gelten noch als vermisst.