Neu im Kino: Hildegard Knef: Ikone mit Swag und literarischem Talent

Sie war der erste deutsche Nachkriegs-Star. In Interviews sprach sie druckreif und verriet auch mal Details über ihr Facelifting. Ein neuer Kinofilm gibt Einblick in das Leben von Hildegard Knef.
Ein so reiches Leben wie das von Hildegard Knef auf eineinhalb Stunden zu bannen, ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Man könnte sich gut eine Serie vorstellen, die die vielen Kapitel im Leben der schillernden Sängerin, Schauspielerin und Autorin (1925-2002) beleuchtet.
Knef war der erste deutsche Nachkriegs-Filmstar. Der neue Kinofilm „Ich will alles. Hildegard Knef“ gibt zumindest 103 Minuten Einblick in einiges, was ihr Leben ausmachte. Regisseurin Luzia Schmid erzählt vom Aufwachsen Knefs im Berlin der Kriegs-Zeit, ihren Schauspiel-, Gesangs- und Literatur-Erfolgen, privatem Glück und Rückschlägen.
Hildegard Knef hat Swag
Der Film, an dem Knefs Tochter Tinta und ihr letzter Ehemann Paul von Schell beteiligt sind, gibt allen, die noch nicht viel über Knef wussten, interessante Einblicke. Fans können in alten Konzert-Aufnahmen und Interviews schwelgen. Viele dürfte der Film mit Ohrwürmern und der Motivation zurücklassen, sich eingehender mit dem Leben und Werk „der Knef“ zu befassen.
Mit ihrer rauchigen Stimme und cleveren Liedtexten wurde Knef zur unverwechselbaren Chanson-Sängerin. Der Film startet mit einer Konzert-Aufnahme ihres größten Hits „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Knef singt im Paillettenkleid und ihren charakteristisch schwer hängenden Kunstwimpern.
Nicht nur in dieser Szene wird deutlich: Knef, gerne mit einer Zigarette im Mundwinkel und übergroßen Brillen auf, hatte das, was man heute „Swag“ nennen würde – eine lässige, einzigartige Ausstrahlung.
Eine Sängerin mit literarischem Talent
Den Text zu den „Rosen“ schrieb sie – wie andere Lyrics – selbst. Das ist vielleicht das Bemerkenswerte an ihr: Neben ihrer Gesangs- und Schauspielkarriere hatte sie großes Talent fürs Schreiben. Ihre mit viel Sprachgefühl formulierte Autobiografie „Der geschenkte Gaul“ kann es mit dem Kanon der großen deutschen Romane des 20. Jahrhunderts aufnehmen.
Was leider im Film kaum thematisiert wird: Ihr Text sollte auch als das begriffen werden – ein Roman, keine Autobiografie. Denn inzwischen ist bekannt, dass die Autorin nicht immer bei der Wahrheit blieb.
Knef schrieb weitere Bücher. „Ich will alles. Hildegard Knef“ ist mit einem Voice-Over von Schauspielerin Nina Kunzendorf strukturiert, die Texte von Knef vorliest, in denen diese über ihr Leben erzählt. Auch in den vielen Interview-Ausschnitten spricht Knef druckreif, wenn sie etwa sagt: „Ich glaube, das Leben schuldet uns nichts als das Leben. Und alles andere haben wir zu tun.“
Knef: Facelifting ist „besser als Valium“
Auch ein großes Thema: Knefs offener Umgang mit Medien. In den 1980er Jahren spricht sie freimütig im Fernsehen über ihr Facelifting („besser als Valium“). Immer wieder zeichnet der Film Knef als mutige, provokante und selbstbestimmte Person. Aber auch als verletzliche, die zeitweise wegen vieler Krankheiten und Operationen unter einer Tablettenabhängigkeit litt.
Die Berichterstattung über sie war oft respektlos. „Die Knef und die Grenzen des Geschmacks“ und „Mehr Takt, liebe Hilde!“ lauteten etwa Überschriften, nachdem ihre Beziehung zu dem damals noch verheirateten Schauspieler David Cameron bekannt wurde.
Es war nicht das erste Mal, dass sie medial verurteilt wurde. Knef, die 1946 mit dem Film „Die Mörder sind unter uns“ berühmt wurde, war 1950 im Film „Die Sünderin“ kurz oben ohne zu sehen. Das brachte ihr ablehnende Zuschreibungen wie „die ethische Atombombe“ ein – und Morddrohungen. Aus heutiger Sicht ist vieles, was Knef erlebte, zum Glück nicht mehr vorstellbar.