Rundfunk: Warum „Tagesschau“-Fans auf diese Wahl achten sollten

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird ein wichtiger Posten neu vergeben. Es gibt nur eine einzige Kandidatin und sie kommt von außen. Wie wird die Wahl beim NDR ausgehen?

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bekommt eine neue Senderspitze. Auf den Posten beim drittgrößten ARD-Sender könnte eine externe Managerin rücken – was im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eher selten vorkommt. Was man rund um die Wahl am Freitag (4. April) wissen muss.

Wer ist die Kandidatin?

Sie kommt aus dem Bertelsmann-Kosmos und gilt als Überraschung für die NDR-Topposition. Im öffentlichen Diskurs war der Name Sandra Harzer-Kux nicht auf dem Zettel. Die Medienmanagerin war im Marketing-Bereich geschäftsführend tätig und bringt zudem Erfahrung unter anderem bei Bewegtbild und Audio mit.

Hört man sich in der Medienbranche um, bekommt man unterschiedliche Antworten. Harzer-Kux gilt als gut vernetzt. Für andere ist die 52-Jährige ein unbeschriebenes Blatt. Fragt man ihren bisherigen Arbeitgeber, gibt es Lob. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das würde mich für die Kollegin sehr freuen. Sie hat einen exzellenten Job gemacht. Ich halte sie für sehr geeignet.“

Warum gibt es nur eine Kandidatin?

Das liegt an den Regeln des NDR-Staatsvertrags. Demnach macht der Verwaltungsrat einen Vorschlag.

Harzer-Kux würde auf Intendant Joachim Knuth folgen. Der 65-Jährige hatte einen vorzeitigen Übergang zum 1. September angeboten. Knuth ist seit Januar 2020 Intendant des drittgrößten ARD-Senders. Sein Vertrag läuft regulär bis Mitte Januar 2026.

Wer wählt?

Alle 58 Mitglieder des NDR-Rundfunkrats sind nach Angaben des Gremienbüros stimmberechtigt – mindestens 39 müssen anwesend sein, damit das Gremium beschlussfähig ist. Ein Kandidat oder eine Kandidatin benötigt zwei Drittel der Stimmen der Anwesenden, um gewählt zu werden. Wird diese Mehrheit nicht erreicht, gibt es keinen zweiten Wahlgang. Der Verwaltungsrat kann dann innerhalb eines Monats einen neuen Vorschlag unterbreiten.

Der Rundfunkrat soll verschiedene gesellschaftliche Gruppen repräsentieren – etwa Vertreter aus Organisationen, Politik, Wirtschaft und religiösen Gemeinschaften. Er kontrolliert, ob der Sender die programmlichen Vorgaben einhält, und kann nach der Ausstrahlung Rückmeldungen geben.

Was macht eine Intendantin?

Intendantin oder Intendant eines Senders ist das Gesicht nach innen und außen. Harzer-Kux würde beim NDR die Geschäfte leiten und die Strategie mit der Leitungsebene festlegen. Es geht auch um die inhaltliche Ausrichtung des Programms. Als Intendantin des NDR würde sie den Sender rechtlich nach außen vertreten. Der Intendant oder die Intendantin legt außerdem dem Verwaltungsrat Rechenschaft über die wirtschaftliche Lage ab.

Was hat das mit der „Tagesschau“ zu tun?

Viel. Der NDR ist in der ARD federführend für die bundesweiten nachrichtlichen Angebote zuständig. Die Flaggschiffe „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ werden in Hamburg in NDR-Studios produziert. Daneben wird seit Jahren der Nachrichtensender Tagesschau24 mit Live-Berichterstattung ausgebaut. Damit wollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch Kritik entgegentreten, man sei bei plötzlichen Nachrichtenlagen im Hauptprogramm nicht schnell genug dabei.

Der NDR-Chef ist Fürsprecher für die „Tagesschau“-Marken. Das wird in den nächsten Jahren besonders wichtig werden: Ein Kräftemessen mit dem ARD-ZDF-Nachrichtensender Phoenix deutet sich an. Der Rundfunk soll sein Angebot bei kleineren TV-Sendern nach Vorgabe der Länder stärker bündeln und den Fokus auf das Internet legen – es könnte einer von beiden TV-Nachrichtensendern mit klassischem fortlaufenden Programm wegfallen. Ob es Phoenix oder Tagesschau24 treffen könnte – das ist offen.

Welche Baustellen gibt es beim NDR?

Wird Harzer-Kux Intendantin, wird es für sie erst einmal darum gehen, Vertrauen zu gewinnen. Die externe Medienmanagerin müsste sowohl innerhalb des NDR als auch im ARD-Verbund Überzeugungsarbeit leisten.Sparen, sparen, sparen: Der Streit mit den Bundesländern um die Höhe des Rundfunkbeitrags betrifft auch den NDR mit rund 5.000 festen und freischaffenden Mitarbeitern. Zur Finanzierung des Senders kamen im Jahr 2023 rund 1,1 Milliarden Euro Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag zusammen. Wirtschaftspläne müssen in unsicheren Zeiten aufgestellt werden – ohne zu wissen, wie sich der Rundfunkbeitrag entwickeln wird. Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht aus. Nicht unwichtig: Der Senderchef muss wegen seines großen Sendegebiets Kontakt zu gleich mehreren Landesregierungen im Norden halten, um auch dort für die Belange des Rundfunks zu kämpfen.Unternehmenskultur: Der NDR hatte in den vergangenen Jahren mit unterschiedlich gelagerter Kritik an der Unternehmenskultur und an Führungskräften zu tun. Es gab personelle Wechsel. Der Sender ließ von extern eine Art Kaleidoskop erstellen, wie es um die Stimmung im NDR bestellt ist, und will nachsteuern.