Weinjahr beginnt: Günstige Vorzeichen für sächsische Winzer

Verheerende Spätfröste haben im Vorjahr bei den sächsischen Winzern für große Verluste gesorgt. In diesem Jahr sieht es besser aus. Es werden aber noch Frostnächte zu den „Eisheiligen“ erwartet.
Das Jahr 2024 war kein Gutes für den sächsischen Weinbau: Späte Frostnächte Ende April hatten zu großen Verlusten geführt. „Aktuell ist die Lage entspannt. In den vergangenen Wochen war es deutlich kälter und so präsentiert sich die Natur etwas normaler“, sagte Felix Hößelbarth, Vorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen.
Enorme Einbußen im Vorjahr
Im Vorjahr hatte der Austrieb der Reben wegen des milden Winters einige Wochen früher als üblich begonnen. Dann hatte der Spätfrost in der letzten Aprilwoche in den sächsischen Weinbergen zu einem erheblichen Ertragsverlust geführt. Je nach Lage und Rebsorte waren es 70 bis 80 Prozent.
Heizdrähte, Frostkerzen und Frostschutzberegnung können helfen
Derzeit bestehe kein Handlungsbedarf, betonte Hößelbarth. „Erst wenn es richtig kalt wird, kann man reagieren. Die Eisheiligen kommen ja erst noch in der ersten Maihälfte.“ Erste Erfahrungen mit Heizdrähten, die an den Biegedraht der Rebstöcke befestigt werden, seien vielversprechend. Auch eine Frostschutzberegnung könnte helfen.
„Bisher sind unsere Reben gut durch den Winter und den Frühlingsbeginn gekommen“, sagte Martin Jung vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth auf Anfrage. Entscheidend für den diesjährigen Austrieb sei die Menge an Reservestoffeinlagerungen, die sich aus dem Wachstum des Vorjahres ergibt. „Aufgrund der Frostschäden wurde das Wachstum im Jahr 2024 auf weniger Triebe begrenzt, aber nicht gebremst.“
Wurzeln der Reben haben wenig Reservestoffe
Die geringere Holzmasse aus der Vegetation 2024 habe dazu geführt, dass die Wurzeln der Reben, bei Winzern auch „Batterien“ genannt, nicht „vollständig geladen“ waren mit Reservestoffen. „Um unsere Reben zu schonen und nicht zu überlasten, haben wir in diesem Jahr daher beim Rebschnitt weniger Augen angeschnitten, das heißt die Triebzahl für dieses Weinjahr gezielt begrenzt.“ Prognosen zur Qualität und Quantität für dieses Jahr will er aber erst abgeben, wenn die Trauben im Weinkeller sind.
Expertentipp: Zeitpunkt und Technik der Rebschnitte entscheidend
Der Radebeuler Winzer Karl Friedrich Aust hatte im Vorjahr gute Erfahrungen mit Frostkerzen gemacht. „Diese wurden an den Lagen direkt am Weingut eingesetzt und dadurch hielten sich die Verluste in Grenzen“. Zudem hatte er eine Frostversicherung abgeschlossen.
Deutlich weniger Verluste hatte Aust auch an der Premiumlage, dem „Radebeuler Goldenen Wagen“, erlitten. „Möglicherweise hatten dort die Mauern mehr Wärme gespeichert und zudem konnte der Frost durch die steile Lage besser abfließen.“ Um einen zu frühen Austrieb zu verhindern, sollte laut Aust der Boden so spät wie möglich bearbeitet, in jungen Lagen die Reben sehr spät geschnitten und generell besondere Schnitttechniken angewendet werden.
Sorgen auch um Wasserdefizit im Boden
Größere Weingüter hätten keine technische Möglichkeit, sich gegenSpätfrost-Wetterextreme zu schützen, sagte Björn Probst, Betriebsleiter beimWeingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe. „Es ist weder möglich, TausendeKerzenfeuer in den Anlagen kurzfristig zu entzünden, noch technischeAnlagen zu installieren.“ Man sei aber optimistisch. „Sorgen bereitet uns aktuell eher das Wasserdefizit in den Böden. Die letzten Monate waren zu trocken, daher hoffen wir im April auf ausreichend Regen.“